Polyphasischer Schlaf im Leben einer Tänzerin

Angesteckt von dem Trend, mehr Zeit für die wesentlichen Dinge im Leben zu haben, habe ich das Experiment gewagt und das polyphasische Schlafen ausprobiert. Inwiefern Du wirklich mehr Zeit hast und wie es mit einer tänzerischen Tätigkeit vereinbar ist, erfährst Du in meinem folgenden Artikel.

Was ist polyphasischer Schlaf?

Beim polyphasischen Schlaf handelt es sich um einen Schlaf der in mehreren Phasen am Tag stattfindet. Der Normalfall ist der monophasische Schlaf. Bei diesem gehst Du abends ins Bett und stehst morgens auf. Somit hast Du lediglich eine Schlafphase.

Polyphasischer Schlaf ist ein Schlafkonzept, bei dem Du mehrere Schlafphasen hast. Die extremste Form ist diejenige, bei der über den Tag verteilt lediglich 6 Mal für 20 Minuten geschlafen wird. Wichtig ist hierbei, dass die Zeiten genau eingehalten werden. Das bedeutet: 3 h 40 Minuten wach sein, danach 20 Minuten schlafen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was das alles für einen Sinn macht. Der Sinn eines polyphasischen Schlafes ist, dass Du mehr Zeit zur Verfügung hast. In der Summe kann die Schlafphase pro Tag bis auf 2 Stunden reduziert werden. Die restliche Zeit steht praktisch zur freien Verfügung. Aber Vorsicht: An das polyphasische Schlafen musst Du Dich erst gewöhnen. Und das kann echt anstrengend ein. Im Folgenden will ich Dir einen Erfahrungsbericht geben.

Mein Rhythmus, auf den ich versucht habe meinen Körper einzustellen, war ein dreistündiger Hauptschlaf von 2 bis 5 Uhr in der Nacht, und tagsüber 3 Powernaps à 20 Minuten um 10 Uhr, 15 Uhr und 20 Uhr. Powernaps sind Kurzschlafe. Im Folgenden nun mein Tagebuch:

Tag 1 – 3.1.2013:

  • Das Aufstehen ist wirklich sehr hart. Es ist ein absolut ungewohntes Gefühl morgens aufzustehen und fast die Erste auf der Straße zu sein. Andererseits ist es aber ein schönes Gefühl! Denn schon jetzt weiß ich, wie viel ich an diesem Tag schaffen werde.
  • Arbeiten kann ich tatsächlich viel, bin aber nicht voll leistungsfähig. Sehnsüchtig warte ich auf den ersten Nap, denn ich bin schon sehr müde.
  • Der erste Powernap hat sehr gut funktioniert, der zweite dafür gar nicht.
  • Der dritte Powernap ging gut und abends ging ich zum Abendessen aus. Meine Augen sind sehr schwer, und ich habe enorme Probleme mich zu konzentrieren. Wenn ich mich aber zusammennehme, geht es noch.

Tag 2 – 4.1.2013:

  • Das Aufstehen um 5 Uhr morgens ist immer noch nicht leichter, aber mit einiger Überwindung geht es.
  • Die Powernaps kann ich gut einhalten, besonders den ersten um 10 Uhr. Ich schaffe echt viel am Tag und kann sehr viele Mails bearbeiten. Denn einen Vorteil hat das frühe Aufstehen: Ich werde nicht vom Telefon oder neu ankommenden Mails gestört.
  • Meinen Termin am Nachmittag habe ich so gelegt, dass ich den Powernap um 15 Uhr noch halten kann. Ich bin unterwegs und bin anfangs sehr wach. Aber nach und nach befällt mich die Müdigkeit. Das ist vor allem der Fall, wenn es draußen dunkel wird.
  • Mein Hungergefühl ist deutlich höher, seitdem ich polyphasisch schlafe und ich esse mehr.
  • Ich komme am Abend nach dem Termin nach Hause, werde schwach, lege mich ins Bett und schlafe eine Stunde anstatt der üblichen 20 Minuten. Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen, denn ich möchte durchhalten und es schaffen.
  • Abends gehe ich mit einem Freund essen. Mein Hunger ist enorm, obwohl ich schon abends eine Kleinigkeit gegessen habe. Das Restaurant ist super und hat eine angenehme Atmosphäre. Trotzdem fühle ich mich etwas komisch.

Tag 3 – 5.1.2013:

  • Was mir sehr positiv auffällt, ist die freundliche Begrüßung der Bäckereiverkäuferinnen, bei der ich mir schon einen Namen als „früher Vogel“ gemacht habe. So früh morgens ist in der Bäckerei noch nicht viel los, und ich halte mit den Verkäuferinnen immer nette Schwätzchen.
  • An diesem Tag ist es wieder sehr hart. Die Augen fallen mir fast zu. Nachmittags bin ich in der Stadt unterwegs. Ich bin sehr sehr müde!
  • Der Powernap am Abend klappt sehr gut. Da ich abends zum Essen eingeladen bin habe ich den Nap so gelegt, dass ich sofort aufstehen muss, denn wenn ich liegen bleibe, komme ich zu spät zum Essen. Und das möchte ich ja nicht.
  • Vor dem Abendessen mache ich meine täglichen Dehnübungen. Mir fällt auf, dass ich danach etwas wacher bin und mir die Bewegung sehr gut tut. Das Abendessen war sehr schön, teilweise bin ich aber sehr unaufmerksam.
  • Ein Schlüsselerlebnis beim Abendessen, wovon ich Dir unbedingt berichten muss: Ich sitze auf dem Sofa und vor mir steht ein Wasserglas, das ich komplett ausgetrunken habe. Ich lehne mich zurück, um meinen Nacken zu entlasten. Dieser ist sehr angespannt, da ich wenig Schlaf hatte. Die Anderen sitzen um mich herum und unterhalten sich. Plötzlich steht ein volles Wasserglas vor mir! Ich habe nicht gemerkt, wer mir ein neues Wasserglas hingestellt hat und dass mir ein neues hingestellt wurde. Das macht mich sehr stutzig, denn ich bin definitiv nicht eingenickt. Eine mysteriöse Situation! Anscheinend ist meine Konzentration und Aufmerksamkeit so weit heruntergefahren, dass ich das einfach nicht mitbekommen und vielleicht doch die Augen kurz geschlossen habe. Es bleibt ein Mysterium!

Tag 4 – 6.1.2013:

  • Dieser Tag ist besonders hart. Das Aufstehen fällt mir richtig schwer. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich am Abend Wein getrunken habe. Es waren aber lediglich 2 Gläser.
  • Nach dem Mittagspowernap möchte ich am liebsten liegen bleiben. Ich muss erst mal einen Spaziergang machen, damit ich überhaupt wieder klar komme.
  • Nachmittags gehe ich ins Studio zum Tanzen. Dort bereite ich meine Choreographien vor. Ich bemerke eine erhöhte Schweißbildung. Ich schwitze sowieso mehr als andere Frauen, aber durch den Schlafentzug ist es noch mehr. Zudem schlägt mein Herz sehr stark und es kommt fast gar nicht zur Ruhe. Das lenkt mich etwas ab, aber ich kann trotzdem gut tanzen.

Tag 5 – 7.1.2013:

  • Leider wieder ein Rückschritt: Ich war so fertig, dass ich die Nacht bis zum Mittag durchgeschlafen habe. Das waren insgesamt 10 Stunden. Mit schlechtem Gewissen aber guter Laune stehe ich auf und gehe frühstücken. Der lange Schlaf hat sehr gut getan und vermutlich brauchte das mein Körper.
  • Der Tag verläuft sehr gut und ich bin wieder aufmerksamer.
  • Nachmittags tanze ich wieder und gehe meine Choreographien im Studio durch. Ich bin kreativ und schaffe einiges.
  • Abends allerdings stelle ich fest, dass ich trotz des längeren Schlafes mehr Hunger habe als sonst. Ich arbeite wieder am Computer bis 2 Uhr nachts.

Tag 6 – 8.1.2013:

  • Diesen Morgen um 5 Uhr aufzustehen ist sehr leicht und ich verspüre sehr wenig Müdigkeit. Ganz im Gegenteil, ich bin sehr fit und aufmerksam.
  • Die Auswertung meiner Videos mit meinen Choreographien verläuft super.
  • Abends fahre ich nach Frankfurt, um dort am Hip Hop-Unterricht teilzunehmen. Ich verspüre nur eine kleine Müdigkeit.
  • Auf dem Rückweg im Zug halte ich meinen Abendpowernap. Ich döse lediglich etwas, aber das tut schon sehr gut. Ich fühle mich sehr fit!

Tag 7 – 9.1.2013:

  • Ich habe wieder etwas verschlafen und habe WIEDER ein schlechtes Gewissen.
  • Generell kann ich gut arbeiten und schaffe einiges, um mein Startup aufzubauen.
  • Nachmittags bin ich wieder im Studio und bin kreativer als die Tage zuvor. Meine Choreographien stelle ich für das Casting fertig. Ich bin sehr zufrieden. Mit dem Essen versuche ich mich zurückzuhalten, was auch gut klappt.
  • Abends bin ich noch sehr produktiv und arbeite an meinem Startup. Außerdem übe ich etwas Klavier.

Tag 8 – 10.1.2013:

  • Ich habe es wieder geschafft um 5 Uhr aufzustehen!
  • Die Auswertung der Videos für das Casting verläuft sehr gut. Der morgendliche Besuch in der Bäckerei ist wieder ein schönes Erlebnis und ich freue mich auf den Tag. Das Startup bringe ich weiter vorwärts und habe dafür gute Ideen. Mittels Photoshop bearbeite ich Bilder. Ich muss dazu sagen, dass ich vorher noch nicht viel mit dem Programm gearbeitet habe und es etwas Neues für mich ist und daher etwas mehr Konzentration erfordert.
  • Ich gehe in die Stadt und bin nicht müde. Erst als ich zu Hause ankomme macht sich die Müdigkeit bemerkbar, als ich am Rechner etwas arbeiten möchte. Das ist wohl eine Auswirkung des polyphasischen Schlafs. Die Müdigkeit überwältigt einen einfach, je näher man zeitlich an die Zeit das Powernaps kommt. Ich lege mich hin, um lediglich den Nap zu halten, schlafe aber bis 5 Uhr morgens durch.
  • Das Vorhaben abends nach einem Regal zu schauen, fällt buchstäblich ins Wasser. So einen großen Rückfall hatte ich bisher noch nicht und ich nehme mir vor, nun NOCH disziplinierter an die Sache heranzugehen.

Tag 9 – 11.1.2013:

  • Ich stehe mit dem Gedanken der Disziplin auf und habe sehr gute Laune.
  • Ich gehe wieder bei der Bäckerei vorbei. Leider sind die „Schwätzchen“ mit dem Personal dort diesmal sehr kurz, da ich später dran bin. Die Verkäuferinnen haben um diese Uhrzeit nun schon mehr zu tun. Der Laden ist voll mit Kunden. Der Tag kann beginnen. 🙂
  • Nach etwas Arbeit am Rechner bin ich zum Kaffeetrinken verabredet.
  • Um 20 Uhr versuche ich einen Powernap zu halten, um im Rhythmus zu bleiben, aber ich kann nicht richtig einschlafen.
  • Abends fahre ich zu einer Freundin essen. Müdigkeit verspüre ich kaum, aber ich bin ja auch ausgeschlafen.

Tag 10 – 12.1.2013:

  • Heute habe ich ein Tanzcasting und schlafe etwas mehr, damit ich durchhalte. Das Casting geht nämlich den ganzen Tag und ich kann keinen Powernap halten.
  • Mit 4 Stunden Schlaf im Gepäck fahre ich mit sehr guter Laune dorthin. Müde bin ich nicht.
  • Alles verläuft sehr gut, nur zwischenzeitlich um die Mittagszeit bin ich etwas müde. Aber das ist wohl auf die Anstrengungen beim Casting zurückzuführen.
  • Abends bin ich auf einen Geburtstag eingeladen und bin fast nicht müde. Ich habe wohl noch genug Adrenalin in meinem Körper. Der Abend ist sehr schön und ich komme pünktlich um 2 Uhr ins Bett.

Tag 11 – 13.1.2013:

  • Leider bin ich wieder nicht um 5 Uhr aufgestanden, sondern erst um 6. Insgesamt habe ich 6 oder 7 Stunden geschlafen. Nicht sehr vorbildlich, aber morgen stehe ich auf jeden Fall um 5 Uhr auf! KEINE Ausnahme mehr!
  • Es wird wahrscheinlich sehr hart werden, denn es ist momentan sehr kalt. Bei Minustemperaturen fällt es mir besonders schwer aufzustehen. Wir werden sehen.

Tag 12 – 14.1.2013:

  • Leider ein totaler Einbruch. Ich habe 8 Stunden geschlafen. Ich nehme mir vor ab morgen wieder definitiv damit loszulegen.

Tag 13 – 15.1.2013:

  • Ich breche das Projekt ab, da ich nachts wieder zu lange geschlafen habe. Das ist demotivierend, aber ich denke, es ist erstmal besser so.

FAZIT

Polyphasisch schlafen ist eine super Sache und Du schaffst mit Sicherheit mehr am Tag. Der Körper braucht allerdings eine Eingewöhnungszeit, und in der Eingewöhnungszeit bist Du nicht wirklich produktiver. Du brauchst Geduld bis Du den Punkt erreichst, an dem Du wieder volle Leistungsfähigkeit erbringst. Als Tänzerin ist es aufgrund der vielen Termine beziehungsweise Auftritte nur bedingt möglich. Außerdem ist es nur bedingt gesellschaftsfähig, weil Du die Powernaps zwischen die Termine legen muss. Für einige Termine ist es bestimmt nützlich, ein definiertes Ende festzulegen um den Powernap halten zu können. Allerdings haben Freunde, die Dir gerade ihr Herz ausschütten, weil der Partner Schluss gemacht hat, meistens kein Verständnis dafür. Möchtest Du zielstrebig an einem Projekt arbeiten und legst in der Zeit keinen Wert auf soziale Kontakte, ist es optimal polyphasisch zu schlafen.

Mein Tipp: Wenn Du es selbst ausprobieren möchtest, dann beginne im Frühling oder Sommer. Denn im Winter ist es auf jeden Fall aufgrund der niedrigen Temperaturen und den längeren Nächten schwieriger, sich an den polyphasischen Schlaf zu gewöhnen sowie ihn durchzuhalten.

Ich bin gespannt, ob Du es auch ausprobierst! 😉

Gutes Gelingen und ganz liebe Grüße,

Deine Veronica

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5 thoughts on “Polyphasischer Schlaf im Leben einer Tänzerin

  1. DerDenker

    WOW, wie viel Energie in Dir steckt! Ich finde super, dass Du die Kraft aufgebracht hast, polyphasischen Schlaf zu testen.

    Freue mich auf weitere spannende Artikel von Dir!

    Viele Grüße

    Reply
  2. Veronica Gerritzen Post author

    Danke, freut mich sehr! Vielleicht kommst Du ja auch noch in den Genuss das auszuprobieren. 🙂

    LG Veronica

    Reply
  3. Benjamin

    Jetzt ist ja Sommer und ich könnte es mal ausprobieren. 🙂 Mehr Zeit für andere Dinge zu haben ist es auf jeden Fall wert, mal darüber nachzudenken und es auszuprobieren.

    Viele Grüße

    Benny

    Reply
  4. philipp

    ich habe vor 2 wochen mit dem polyphasischen Schlaf angefangen. Ich ging zuerst 2 Tage in den Uberman und dann in den Everyman 3 (gleich wie du). Mittlerweilen verwache ich bei den Power Naps ohne Wecker, sprich ich stelle ihn auf eine halbe Stunde oder sage der Angestellten der UNI sie solle mich wecken, aber ich erwache vorher nach ca. 18-25 min. In der 3 Stunden nachtphase ist bei 3 Stunden oft noch etwas tiefschlafphase dabei, also lege ich mich noch meist richtung 10 min hin und dann bin ich ich wirklich hell wach und kann arbeiten. Manchmal ist es auch weniger als 3 stunden, in der Hauptschlafphase kenne ich mein Körper noch nicht ausreichend aber das wird sich mit der Zeit ergeben.

    Ich hatte bereits vor diesem Experiment sehr unregelmässig geschlafen deshalb brauchte ich wahrscheinlich nur ca. 5 Tage um in den Rythmus zu kommen.

    Das ganze wird bestimmt noch robuster, dann sollte es auch nicht mehr für den nächsten ganzen Tag meine Leistung reduzieren, falls ich eine Power Nap einmal nicht einhalten konnte, natürlich nur wenn es selten vorkommt.

    vielleicht solltest du noch einen Versuch starten.
    Wichtig ist wirklich viel zu tun haben eine ToDo liste die du in der Nacht abarbeiten kannst. Ich machte oft Haushalt und administratives in der Nacht. Vorallem bei Haushalt machen geht es schlecht einzuschlaffen, jedoch geht dies natürlich nicht bei jedem Umfeld.

    Viel erfolg
    Philipp

    Reply
    • Veronica Gerritzen Post author

      Hallo Philipp,

      das ist sehr interessant. Vielen Dank für das Teilen Deiner Erfahrungen!

      Mich würde sehr interessieren, was Deine Motivation gerade für Dich ist polyphasisch zu schlafen? Du schreibst etwas von Uni, daher gehe ich davon aus, dass Du studierst. Musst Du eine Arbeit verfassen?

      Wieso hast Du vom Uberman in den Everyman gewechselt?

      Liebe Grüße

      Veronica

      Reply

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